Auf den ersten Blick könnte man denken, China hilft dem Senegal, indem es den Bauern bei der Umstellung von Erdnuss- auf Sesamanbau hilft. Entwicklungshilfe mal anders, sozusagen.
Auf den zweiten Blick merkt man allerdings, dass es - wie bei chinesischen Abkommen üblich - wohl doch nur um scheinbare Vorteile für den Partner, und echte Vorteile für China geht. Denn der Sesam wird zu Niedrigstpreisen gekauft und im Gegenzug muss Senegal Reis importieren, damit die Bevölkerung nicht hungert.
Es ist also eigentlich klassische Ausbeutung, die den Senegal zudem in der Spezialisierungsfalle hält.
Doch warum geht er darauf ein?
Der Grund ist einfach: Aus Mangel an Alternativen. China hat sich Afrika schon seit längerer Zeit ausgeguckt und ist dort verstärkt wirtschaftlich tätig. Während der Westen um Entwicklungshilfe ringt und bei Afrika-Abkommen zögert, schnappt sich China dort immer mehr Märkte. Denn auch mit anderen Staaten wie dem Sudan hat man ähnliche Abkommen getroffen.
Gerät Afrika damit in eine Ära der zweiten Kolonialisierung, in der die Länder mit Staatsverträgen wie diesem an ihre Partner gebunden sind?
Wieviele Jahrzehnte sind denn inzwischen vergangen, seit Europa die Kolonialherrschaft gegen die Entwicklungshilfe tauschte? Schon so einige und die Ergebnisse sind ja nicht gerade berauschend.
Klar kann man nun zetern, dass die Chinesen Abhängigkeiten schaffen etc. etc. Aber wenigstens ist es ein Deal: Arbeit bzw. Ware gegen Geld. Wie die Senegalesen die bescheidenen erwirtschafteten Mittel einsetzen, ist ja deren Sache. Sie können davon Waffen und ein paar dicke ausländische Autos kaufen oder in ihre Zukunft investieren, indem sie beispielsweise ihre Landwirtschaft diversifizieren und eben nicht nur Sesam für die Chinesen anbauen.
Aber vielleicht hat unser Afrika-Experte FW da noch eine differenziertere Sicht.
Spock: Die Frage ist, ob man mit einem Fünfjahresvertrag langfristige Umgestaltungen der eigenen Wirtschaft planen kann. Zudem bekommt ja anscheinend nicht die Regierung das Geld, sondern die Bauern selbst.
Deswegen steht sie m.E. auch besonders in der Pflicht, für den kurzfristigen Vorteil nicht langfristige Abhängigkeiten einzugehen.
In Antwort auf:Die Frage ist, ob man mit einem Fünfjahresvertrag langfristige Umgestaltungen der eigenen Wirtschaft planen kann.
Mag sein, dass man das nicht kann, aber wenn wir nur von einem Fünf-Jahres-Horizont reden, geht auch der Vorwurf des Abhängigmachens an die Chinesen ins Leere.
Irgend einen Vorteil müssen die senegalesischen Bauern doch haben, sonst würden sie ihren Mais doch lieber selber anbauen und essen. Offenbar bleibt da was übrig und das Geld bleibt, zu welchem Zweck auch immer, im Lande.
"geht auch der Vorwurf des Abhängigmachens an die Chinesen ins Leere."
Nicht so ganz. Es wird ja vertraglich zugesichert, dass Ackerfläche für Sesam verwendet wird. Wenn also nach fünf Jahren die Chinesen aussteigen, dann sind die Äcker immernoch auf Sesam ausgerichtet - und die Bauern werden am ehesten den Sesam selbst kaufen und auf dem Weltmarkt anbieten. Man kann also schon sagen, dass die aus China getriebene Umstellung der Landwirtschaft zumindest teilweise nachhaltig ist.